Verrückt oder ganz Normal? Hobby Schlösser öffnen und Tresore knacken

hobby-street-tresorVerrückte Hobbies und dazu passende Meisterschaften wie Axtweitwurf, Schienbeintreten oder Handyweitwurf erfreuen sich immer größerer Beliebtheit in Deutschland. Auch Weltmeisterschaften im Tresoröffnen läuft wohl auch unter „Aussergewöhnliche Freizeitaktivitäten“.

Tresoröffnung als Wettkampf

Schlösser öffnen als Hobby hat eine lange Tradition. „Lockpicking“, wie es im Englischen Sprachgebrauch heißt, ist die Aufsperrtechnik mit dem Ziel Schlösser zu öffnen ohne einen Schlüssel. Beim Schlösser öffnen und bei der Tresoröffnung darf das Schloss nicht beschädigt werden. Dies ist Voraussetzung.

In Deutschland ist dieses Hobby sehr beliebt. Tresoröffnung sowie Schlösser öffnen ohne Schlüssel ist eine anerkannte Sportart und bereits 1997 wurde der Deutsche Verein „Sportsfreunde der Sperrtechnik Deutschland e.V. (SSDeV) “ gegründet. Im Jahre 2016 nahm der Verein an der 20. offenen deutschen Meisterschaft für Schlösseröffnung statt. Hier treten Herrschaften aller Länder gegeneinander in diversen Disziplinen an.

Diese Disziplinen sind Hangschloss-Öffnen, Handöffnung, Blitzöffnung und Freestyle. Tausende Kilometer bringen manche Teilnehmer hinter sich auf dem Weg zur Meisterschaft im Schlösser öffnen. Die benötigten Sportgeräte, in dem Falle dieser Sportler die Öffnungswerkzeuge und Schlösser, müssen vor den Wettkämpfen eingereicht werden.

Verschiedene Disziplinen führen zum Sieg

Bei der Disziplin Handöffnung werden nach einer Qualifizierungsrunde Teams gebildet und die Schlösser der Gegner-Teams müssen in einer bestimmten Zeit ohne Schlüssel geöffnet werden. Wer am Ende des Zeitraumes die meisten Schlosse geöffnet hat, gewinnt. Als Werkzeuge können Hand-Picks und Spanner, Tisch-Schraubstöcke oder auch Kugelschreiber genutzt werden.

Bei der Hangschlossöffnung werden neue und original verpackte Schlösser von der Kampfleitung gestellt und es werden Gruppen aus den Teilnehmern gebildet. Mit Hang-Picks oder Kugelschreibern müssen die Schlösser in der Hand geöffnet werden und dies muss innerhalb von fünf Minuten erfolgen.
Bei der Freestyle-Disziplin dürfen alle Hilfswerkzeuge eingesetzt werden. In Gruppen wird wieder gegeneinander angetreten und es müssen so viele Schlösser in so wenig Zeit wie möglich geöffnet werden. Wie diese Öffnung durchgeführt wird, ist eben „Freestyle“.

Die Blitzöffnung findet in einem Kreis statt, den alle Teilnehmer bilden. Die Schlösser werden auch bei dieser Disziplin von der Leitung der Meisterschaft gestellt. Die Werkzeuge bringen auch hier die Teilnehmer mit. Die Teilnehmer haben eine Minute Zeit das eigene Schloss zu öffnen. Wer es nicht schafft, scheidet aus. Im Anschluss werden alle Schlösser rechtsherum zum Nachbar weitergegeben und wieder startet eine Minute Zeit für die Öffnung des Schlosses. Wer hier das Schloss nicht schafft zu öffnen in der vorgegebenen Zeit, scheidet ebenfalls aus. Dieser Vorgang wird wiederholt bis es drei Sieger am Ende gibt.

Auch die Schweiz und Österreich veranstalten regelmäßig Meisterschaften im Schlösser-Öffnen.

Nützliche Kunst für Sicherheitsfirmen und Hersteller von Tresoren

Nicht nur Hobby-Schlossöffnungskünstler und deren Fans sind bei solchen Meisterschaften anwesend. Auch Hersteller von Sicherheitsmöbeln sowie Banken und andere Unternehmen haben großes Interesse an dem flinken Öffnen von Schlössern und Tresoren ohne Schlüssel. Sie sind ebenfalls häufig bei diesen Meisterschaften anzutreffen. Sie wollen sich anschauen, wie leicht ihre vermeintlich sicheren Schlösser und Tresore geöffnet werden können, ganz ohne Schlüssel. Diese Erkenntnisse helfen den Sicherheitsunternehmen ihre Produkte zu optimieren.

Auch Banken bedienen sich gern dieser Möglichkeit und beobachten regelmäßig Profi-Schlossöffner, die ohne Zerstörung die Schlösser knacken. Insbesondere für Bankfächer kommt den Banken dies zu Gute. Viele Kunden von Banken haben Schließfächer und verlieren des Öfteren den zuständigen Schlüssel. Da ein Bankfach inklusive Schloss nicht unbedingt kostengünstig ist, kann ihnen das professionelle und zerstörungsfreie Öffnen der Teilnehmer der Meisterschaften helfen. Viele Unternehmen heuern auch gern die Schloss-Öffner an und bieten ihnen Jobs an. Die meisten Unternehmen dieses Gewerbe verlangen Führungszeugnisse und können sich so vor kriminellen Machenschaften absichern.

Schlösser knacken als Sport ist irgendwie verrückt – aber eben auch ein Handwerk

Es klingt ungewöhlich, dass Menschen ohne Schlüssel und mit eigenen Werkzeugen in Windeseile Schlösser knacken und dies sogar gegen andere als Sport betreiben um dann der Beste unter seinesgleichen zu werden. Aber so verrückt ist es dann doch nicht. Für Sicherheitsmaßnahmen und Hersteller von Sicherheitsprodukten wie Tresore und Schließfächer sind die Teilnehmer der Meisterschaften im „Lockpicking“ die ideale Chance, die eigenen Produkte zu testen und zu optimieren. Und Sicherheit ist für Jedermann wichtig und überhaupt nicht verrückt.

Außerdem sind die Teilnehmer der Meisterschaften im Schloss-Öffnen und der Tresoröffnung ernstzunehmende Sportler, die mit viel Enthusiasmus, handwerklichem Geschick, viel Training und großem Sportsgeist tausende Kilometer zu Wettkämpfen fahren um sich mit anderen Schlossknackern zu messen. Ganze Vereine haben sich europaweit gegründet und trainieren miteinander und gegeneinander in diversen Disziplinieren ihre Fähigkeiten. Sie werfen mit Fachbegriffen um sich und haben ihren Sport über die Jahre immer weiter entwickelt.

Für viele scheint die außergewöhnliche Freizeitaktivität Schlossknacken und Tresore öffnen ganz ohne Schlüssel verrückt klingen – wer sich aber genauer damit beschäftigt, wird schnell feststellen, dass dieses Hobby ein ernstzunehmender Sport ist, der viel Traininung bedarf und ein richtiges Geschick voraussetzt. Neben dem sportlichen Charakter gibt es zusätzlich auch einen wirklich nützlichen Faktor, der bei der Bewertung dieser Sportart Berücksichtigung finden sollte.

Schlösser knacken ist mehr als ein verrückter Zeitvertreib – dieser Sport vereint Leidenschaft und Geschick!

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